Geschichte der Irischen Sprache
Phasen der Irischen Sprache
Die Anfänge der irischen Sprache liegen zu großen Teilen im Dunkeln. Zwar ist das Irische unbestritten eine keltische Sprache, doch sind der Weg und die Zeit, auf dem bzw. zu der es nach Irland kam, heftig umstritten. Es ist lediglich sicher, dass zur Zeit der Ogam - Inschriften in Irland Irisch gesprochen wurde. Diese früheste Sprachstufe wird als archaisches Irisch bezeichnet. Die Sprachprozesse, die sich prägend auf das Altirische auswirkten, d. h. Apokope, Synkope und Palatalisierung, entwickelten sich in dieser Zeit (vom 6. Jahrhundert bis zur Ankunft des Mittelirischen im 16. Jahrhundert.Die Bewegung der Irischen Sprache
Die Irische Sprache war überall in der Insel von Irland bis zum 19. Jahhundert gesprochen. Die erste Bibel in Irischen wurde von William Bedell ( Bischof von Kilmore, Church of Ireland) im 17.Jahrhundert übersetz.Eine Kombination der Einführung von einem grundschulensystem (die 'National Schools'), in denen Irisch verboten war, und nur Englisch gelehrt war (Befehl der Britischen Regierung in Irland), und die Große Hungersnot (An Drochshaol), die der Ernteausfall von 1846 bis 1851 zum Tod von schätzungsweise 500.000 bis einer Million irischen Muttersprachler und der Auswanderung einer weiteren Million führte, beschleunigte den Untergang dieser Sprache. Irische führende Politiker, wie Daniel O'Connell (Dónall Ó Conaill), waren sehr kritisch mit ihrer eigenen Sprache und sahen Irisch als eine zurückgebliebene Sprache im Vergleich zum Englischen, die die Sprache der Zukunft war. Gegenwärtige Berichte sprechen von irischen Muttersprachlern, die ihre Kinder entmutigten, ihre eigene Sprache zu lernen, und stattdessen ermutigten, Englisch zu verwenden. Diese Praxis dauerte länger nach der Unabhängigkeit, wenn das Stigma beim Sprechen in Irischen sehr stark überlebte.
Einige Leute denken aber anders. Die erste Schritte in Richtung des Schutzes dieser Sprache wurden von irischen Protestanten verfechtet, wie der Linguist und Geistlicher William Neilson am Ende des 18. Jahrhundert. Die Hauptinitiative fand mit der Errichtung von der Gälische Liga (Conradh na Gaeilge) bei Douglas Hyde, der Sohn der Church of Ireland Pfarrer statt. Dann starte die gälische Erweckungsbewegung. Führende Unterstützervon Conradh waren u.a. Pádraig Mac Piarais und Éamon de Valera. Die Erweckung von Interessen für die Sprache kongruierten mit anderen kulturellen Erweckungen wie die Gründung des Gaelic Athletic Association (Gälischen Sportverband) und das Wachstum von Ausführungen von Spielen über Irland im Englischen bei Genies wie William Butler Yeats, J.M. Synge, Sean O'Casey und Lady Gregory, am Anfang des Abbey Theatre (irisches Nationaltheater).
Auch wenn das Abbey Theater Stückeschreiber im Englischen schrieb (und in der Tat einige haßten Irisch), wurden sie vom Irischen Sprache gerührt. Die englische Version, die in Irland gesprochen war, und als Hiberno-Englisch bekannt, trägt beeindruckende Ähnlichkeiten in einigen grammatikalischen Redewendungen mit dem Irischen. Einige Leute spekulierten, es sei eine große Mehrheit von Irischen Menschen, die kein Irischen mehr sprachen, aber sie verwenden unterbewußt das irische grammatische Flair, in der Art sie das Englische sprechen. Diese Redegewandtheit ist in den Schreiben von Yeats, George Bernard Shaw, Oscar Wilde und neulich in den Schreiben von Seamus Heaney, Paul Durkan, Dermot Bolger und vielen anderen gespiegelt. (Es kann auch teilweise erklären, warum die irisch-geborenen Rundfunksprecher einen Reiz in Großbritannien haben, wie Terry Wogan, Eamonn Andrews, Graham Norton, Desmond Lynam, usw.)
Die unabhängige Republik Irland und die Sprache
Die planmäßigen Ansiedlungen englischer und schottischer Farmer in Teilen Irlands im 16. und 17. Jahrhundert änderten die Situation erst einmal nicht wesentlich. Die Unterschichten sprachen meist Irisch, die Oberschichten Englisch oder Irisch. In dieser Zeit begann jedoch wahrscheinlich der prozentuale Anteil der Irischsprecher an der Gesamtbevölkerung langsam zu schrumpfen. Die Vertreibung der Reste des irisch-gälischen Adels 1607 (Flight of the Earls) enthob die Sprache dann jedoch völlig ihrer Verwurzelung in den Oberschichten. Sprachgeschichtlich ist hier der Beginn des Neuirischen oder modernen Irischen anzusetzen.
Der entscheidendste Faktor für den Rückgang der Sprache war jedoch die fortschreitende Industrialisierung ab dem späten 18. Jahrhundert. Hunger war auf dem Lande verbreitet und gelegentlich katastrophal. Wer etwas erreichen oder in manchen Fällen auch nur überleben wollte, musste in die Städte abwandern – und Englisch sprechen. Das Irische wurde zumindest im öffentlichen Bewusstsein zur Sprache der Armen, der Bauern, Fischer, Landstreicher. Nach und nach schlug diese Entwicklung auf die ländlichen Gebiete zurück. Die Sprache wurde nun zunehmend vom Englischenverdrängt. Wiederbelebungsmaßnahmen ab dem späten 19. Jahrhundert und vor allem ab der Unabhängigkeit Irlands 1922 sowie die Förderung des sozialen Status des Irischen konnten die Entwicklung nicht aufhalten, geschweige denn umkehren. Allerdings ist festzuhalten, daß im Gegensatz zu den schnell sinkenden Zahlen der Muttersprachler die Zahl der Iren mit Irisch als aktiver oder passiver Zweitsprache stark angestiegen ist. Vor allem in den Städten finden sich größere Zahlen von Englischsprechern, die das Irische gut beherrschen und zum Teil auch gebrauchen. Zu den auf die Sprachsituation wirkenden Negativfaktoren des 20. und 21. Jahrhunderts zählen vor allem die zunehmende Mobilität der Menschen, die Rolle der Massenmedien und zum Teil fehlende enge soziale Netzwerke (fast alle Irischsprecher leben in engem Kontakt mit Englischsprechern). Heute wird nur noch in kleinen Teilen Irlands täglich Irisch gesprochen. Diese meist über die Nordwest-, West- und Südküste der Insel verstreuten Fleckchen werden zusammenfassend Gaeltacht (Pl. Gaeltachtaí ) genannt.
1835 wurde die Zahl der Irisch sprechenden Menschen auf etwa vier Mio. geschätzt. Der erste landesweite Zensus wurde allerdings erst 1841 durchgeführt, noch ohne Frage zu Irischkenntnissen (ab 1851 ). Bis 1891 hatte sich die Zahl der Irisch sprechenden Menschen auf etwa 680.000 reduziert, aber nur 3 % der Kinder im Alter von drei bis vier Jahren sprachen Irisch.
Nordirland
Einstellungen gegenüber die Irische Sprache in Nordirland reflektierte herkömmlich die politische Unterschiede zwischen den zwei geteilten Gemeinschaften. Die Sprache würde als Verdacht bei den Unionisten betrachtet. Diese brachte sie in Verbindung mit der katolisch-beherschten Republik im Süden, und kürzlich mit der Republikaenr-Bewegung in Nordirland selbst. Viele Republikaner in Nordirland, einschl.Sinn Féin Präsident Gerry Adams, lernten Irisch, während sie im Gefängnis waren, eine Entwicklung, die als Jailtacht bekannt ist. Die Sprache wurde in protestantischen Schulen nicht gelehrt, und öffentliche Zeichen in Irisch waren illegal unter Gesetz des Parlament von Nordirland, das festlegte, daß nur Englisch könnte gesprochen werden.Dieses Gesetz wurde erst am Anfang des 90er bei der britischen Regierung offiziell aufgehoben. Dennoch wurden irische Mittelschulen, als gaelscoileanna bekannt, in Belfast und Derry gegründet, und eine Zeitschrift in Irischen Sprache Lá ('Tag') wurde auch in Belfast etabliert. BBC Radio Ulster begann Broadcasting mit einem allnächtlichen Programm in Irischen ( Blas, d.h. Geschmack) von einer halbe Stunde am Anfang der 80er, und BBC Northern Ireland zeigte auch das erste TV-Programm in der Irischen Sprache am Anfang der 1990er. Der Ultach Trust wurde auch gegründet, um die Verbreitung der Sprachberufung unter Protestanten zu erreichen, obwohl harte Unionisten wie der Pfarrer Ian Paisley führte den Spott als ' Heinzelmännchen-Sprache' weiter. Ulster Scots, schottische Sprache, die bei einigen Loyalisten gefördert war, war umgekehrt bei Nationalisten als eine 'a DIY Sprache für Orangemen' verspottet.
Die Irische Sprache heute
Das Irische ist auch heute in ganz Irland anzutreffen. Orts- und Straßenschilder beispielsweise sind auf der gesamten Insel nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Irisch beschrieben. In der Gaeltacht (z.B. West Connemara) sind Orientierungshilfen dieser Art nur auf Irisch ausgezeichnet. Das gleiche gilt für Gedenktafeln und offizielle Dokumente. Andere Schilder, z. B. an Restaurants, sind dagegen fast nur auf Englisch ausgezeichnet.
„Auf der Straße“ ist jedoch das gesprochene Irisch außerhalb der Gaeltacht selten zu hören. Bisweilen hört man vor allem ältere Leute in Städten wie Galway oder Dublin Irisch sprechen. An den Universitäten ist es an einigen Fakultäten, vor allem denen für das Irische bzw. für keltische Sprachen und Kultur, üblich, sich des Irischen zu bedienen. An der NUIG ( National University of Ireland, Galway) wird beispielsweise an den entsprechenden Fachbereichen auch unter Studenten relativ wenig Englisch gesprochen, ebenso wie an den privaten Gaeltacht Schools, an denen nicht in der Gaeltacht aufgewachsene Jugendliche ihre Irischkentnisse verbessern können.
An allen staatlichen Schulen des Landes ist Irisch Pflichtfach, während der restliche Unterricht meist auf Englisch stattfindet. Es gibt jedoch nicht wenige Schulen, an denen ausgewählte andere Fächer ebenfalls durch das Irische vermittelt werden. Vor allem auf Druck von Eltern hin wurden in den 70er Jahren die obligatorischen Schulabgangsprüfungen für das Irische abgeschafft. Schüler müssen daher seit Jahrzehnten zwar Irisch lernen, ihre Kenntnisse aber selten ernsthaft nachweisen. Viele Jugendliche empfinden das Erlernen der irischen Sprache in der Schule, das überwiegend aus Gründen der Tradition und der Identitätsbewahrung stattfindet, als „lästig“ und antiquiert, da Irisch im Gegensatz z. B. zu Englisch, Deutsch oder Französisch im internationalen Geschäftsverkehr kaum oder nicht genutzt werden kann.
Schwer einzuschätzen ist die tatsächliche Verwendung des Irischen in der gebildeten urbanen Mittelschicht. Zwar sind gute bis sehr gute Irischkenntnisse in dieser Bevölkerungsgruppe verhältnismäßig weit verbreitet, doch scheinen diese sich weitgehend auf den passiven und/oder familiären Gebrauch zu beschränken. In Unternehmen und Ämtern sowie in informellen Gesprächen „auf der Straße“ wird die Sprache jedenfalls kaum verwendet. Anders ist dies bei Gesprächen unter universitätsnahen Personen, Personen, die an Bildungs- und Forschungseinrichtungen tätig sind, sowie Künstlern wie z. B. Schriftstellern. Diese nutzen häufig die (relativ seltene) Gelegenheit, sich mit anderen des Irischen mächtigen Kollegen oder Freunden auf Irisch auszutauschen. In der Öffentlichkeit spielt diese Art von Konversation jedoch aus nahe liegenden Gründen eine geringe Rolle, das öffentliche Leben (Fernsehen, Zeitungen) findet meist selbstverständlich auf Englisch statt.
Es gibt jedoch verschiedene Clubs und in Dublin ein Café, in dem nur Irisch gesprochen wird. Außerdem gibt es mehrere irischsprachige Radiosender (Raidió na Gaeltachta (staatlich), Raidió na Life (privat), einen irischsprachigen Fernsehsender (Teilifís na Gaeilge) sowie einige irischsprachige Zeitschriften. Auch im englischsprachigen Radio, Fernsehen und in Zeitungen tauchen immer wieder irische Ausdrücke auf. Einige staatliche und öffentliche Institutionen haben ausschließlich irischsprachige Bezeichnungen oder solche, die neben der englischen Form häufig verwendet werden.
Der irische Zensus von 2002 ergab 1,54 Millionen Menschen (43 % der Bevölkerung), die behaupten, Irisch zu können. Davon sind höchstens 70.000 Muttersprachler, von denen nicht alle täglich und in allen Alltagssituationen Irisch sprechen. Häufig wird in Gegenwart Fremder oder auch gegenüber Kindern sofort ins Englische gewechselt. Kinder sollen auch in den Gaeltachtaí nach dem Willen der Eltern oft erst einmal Englisch lernen.




